Bürger- und Heimatverein Heven e.V.
                                    gegründet 07.02.1897
 
 
   

 

 

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 Heft
  - Inhaltsangabe

Das älteste Verzeichnis der Geburten, Taufen, Trauungen
und Sterbefälle im Kirchenspiel Herbede 
aus dem Jahren 1669 - 1692

Quellen zur Hevener und Herbeder Geschichte

 

 
 

Das älteste Verzeichnis der Geburten, Taufen, Trauungen und Sterbefälle im Kirchenspiel Herbede aus dem Jahren 1669 - 1692

 
 

Jörgen Beckmann

Vorwort

(Hier im Internet ist nur das Vorwort zur Transcription wiedergegeben. Das ganze 49 Seiten zählende Quellen-Heft kann beim Bürger- und Heimatverein Heven e.V. für den Selbstkostenpreis von 3 Euro plus Porto erworben werden)


  

Für die Transkription des schwierig zu lesenden Originaltextes danken wir Herrn Otto R. Enneper sehr. Diese Aufzeichnungen des Herbeder Pastors Messing aus dem Jahre 16931 stellen neben der genealogischen auch eine interessante sozialgeschichtliche Quelle dar. Denn setzt man voraus, daß die Familien, die dem Pastor zur Geburt und zum Tod eines Familienmitgliedes auf den Tag genaue Angaben machen konnten, schriftliche Aufzeichnungen besaßen, so läßt sich folgern, daß das Familienoberhaupt dieser Familie lesen und schreiben konnte. Exakte Angaben finden wir nur bei 12 der 158 Familien. Zu diesem Personenkreis gehören der Pastor, die Juristen-, Bergvogt- und Bauernfamilie König, die drei Schulten Dönhoff, Saldenberg und Hardenstein sowie die drei Herbeder Bauern König im Wiskamp, Rautert und Magnei. Auffallend sind die vier Kötter, und zwar Möller zu Heven, Stemberg zu Herbede, Dumberg und Eggemann, die trotz ihrer niederrangigen sozialen Stellung auch nach der obigen Voraussetzung das Lesen und Schreiben beherrschen mußten. Hier kann nur vermutet werden, daß sie als Händler oder Schreiber tätig waren. Einen Arzt und einen Apotheker finden wir im damaligen Kirchspiel Herbede noch nicht.

Als "arm" bezeichnet Pastor Messung nur die Familie Schedeweg. Doch als Maß für den jeweiligen Wohlstand der entsprechenden Familie zeugt auch die Höhe der Kindersterblichkeit, wenn man dabei mögliche zugrundeliegende genetische Faktoren außer Acht läßt. Eine überdurchschnittlich hohe Kindersterblichkeit finden wir bei den Familien Blumenau, Dörlman, Plarsiep und Hegenberg (unter Einbeziehung des Kirchenbuches bis 1704).

Gleichfalls ermöglicht uns die Niederschrift des Pastors Messing die auf Seite 6 abgebildete Aufstellung einer Statistik der Geburten und Sterbefälle. Das Diagramm läßt bei der Betrachtung des gesamten Zeitabschnitts einen Geburtenüberschuß, also einen beginnenden Bevölkerungsanstieg erkennen. Der negative Geburtenüberschuß zwischen 1676 - 1678 könnte eine Folge des Nahrungsmangels sein, denn man bedenke, daß französische Truppen dieses Gebiet zwischen 1672 - 1675 besetzt hielten und ausplünderten.

Weiterhin gibt uns die Auflistung einen Einblick in die damalige Gesellschafts-, Ehe- und Familienmoral. Sie nennt innerhalb von 23 Jahren von 158 Familien 293 Eheschließungen, keine Scheidungen, 433 Sterbefälle und 610 Geburten. Von den 610 geborenen Kinder wurden nur 14 unehelich geboren (Nr.6, 9, 42, 44, 54, 56, 68, 82, 97, 107, 130, 131, 131 u.139). Vergleichsweise liegt heute der Anteil der unehelich geborenen Kinder mit über 10 % vier bis fünfmal höher als zu jener Zeit.

Vaterschaftsprozesse gab es auch schon damals; bezeugt wird dieses durch eine Anmerkung bei der Familie Großwesterman. Weiterhin berichten die Aufzeichnungen von einem Vatermord und einer Enthauptung (Nr.135) sowie von zwei Unfällen mit tödlichem Ausgang (Nr.130 u.135).
Zur Person des Herbeder Pastors Johan Diederich (Theodorus) Messing ist uns folgendes überliefert.2 Er wurde 1641 als Sohn der Pastorenfamilie Adam Messing und Katharina N. zu Voerde (heute Ennepetal) geboren. Ob der Vater Adam Messing der Hevener Bauernfamilie Messing entstammt, ist nicht bekannt, aber zu vermuten. Johan Diederich Messing studierte an der Universität Straßburg (Immatrikulation am 10.Oktober 1665). Seine Ordination zum Pfarrer erfolgte am 15.Juli 1669 in Dortmund. Ab da war er bis zu seinem Lebensende am 14.April 1703 Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Herbede, die auch Heven einschloß, und begann 1693 mit der Führung des Kirchenbuches. Am 8.Dezember 1672 heiratete er die aus Dortmund stammende Maria Schmeman. Nachdem diese am 4.September 1687 verstarb, ehelichte er am 1.August 1688 Elsa Brochman (Brockman). Letztere dürfte eine Hevener Bauerntochter gewesen sein. Seine beiden Ehen blieben kinderlos.

...ICQUID DN JOHANNIS
...YDORI MESSINGII ECCLE
... HUIUS AB ANNO MDCLXIX
... AD DIEM XIV MENSIS
...S ANNI MDCCIII PASTORIS
...LE FUIT HOC SAXOTEC...
... IT EIUS PER ANNOS
... QUINDECIM FIDELISSIM
....................................................

Grabplatte des Pastors Messing in der Herbeder Kirche, Bruchstück, Ruhrsandstein
(Aufnahme 1966)



Zur Geschichte der Grabplatte des Pastors Messing schickte mir Jürgen Därmann freundlicher Weise folgenden Hinweis aus dem Archiv des Heimat- und Verkehrsverein Herbede:
Bis 1966 waren in und z. T. im Außenbereich der Herbeder Pfarrkirche elf Grabplatten eines sozial höherrangigen Personenkreises erhalten, der ursprünglich im Kirchenschiff seine Grablege hatte. Dazu zählten die Gerichts- und Patronatsherren von Elverfeldt mit ihren Ehefrauen, die Herbeder Pfarrer, ein Karl von Holte, Heinrich von Brempt und auch der Hardensteiner Rentmeister Cord Stölting. Der älteste Stein läßt sich dem Jasper von Elverfeldt (urk. 1496?1530), herzoglicher Rat und Droste zu Wetter und Hörde zuordnen. Neun Gedenksteine lagen vor dem damaligen Altar, ein weiterer Stein wurde 1966 in einer Schicht von altem Bauschutt unter dem Altar entdeckt, die letzte Platte befand sich zweckentfremdet im Außenpflaster vor dem Seiteneingang. Der Stein des Messing lag in der Kirche nahe der westlichen Außenwand. Die Steine wurden im Zuge der im Frühjahr 1965 begonnenen Umbauarbeiten in der Kirche auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins, Bruno Heide, grob skizziert, fotografiert und geborgen. Die Grabplatte des Messing, die damals nur noch teilweise erhalten war, ist seitdem verschollen. Auch der Verbleib der restlichen Platten, die unterschiedlich gut erhalten waren, ist weitgehend ungeklärt.

An dem Beispiel der Herbeder Grabplatten und -steine sehen wir, daß auch heute noch historische Zeugnisse der Vergangenheit zerstört werden bzw. unwiederbringlich verloren gehen. Mit unseren Heften "Quellen zur Hevener und Herbeder Geschichte" beabsichtigen wir, wichtige hiesige historische Quellen jedermann zugänglich zu machen und somit zu erhalten. Jörgen Beckmann

Otto R. Enneper
Einleitung
Das älteste Verzeichnis der Geburten, Taufen, Trauungen und Sterbefälle im Kirchspiel Herbede aus den Jahren 1669 - 1692

Mit den Herbeder Kirchenbüchern haben sich schon verschiedene Forscher befaßt. Doch veröffentlicht wurden immer nur zusammengestellte Stammbäume einzelner hiesiger Familien. Als erster hat wohl der verstorbene und zuletzt in Oldenburg lebende Dr. Walter Schaub 1935 ganze Bereiche dieser Kirchenbücher abgeschrieben und verkartet, aber nicht veröffentlicht.
Das Kirchspiel Herbede umfaßte die Bauerschaften Ost- und Westherbede, Vormholz, Berghausen, Durchholz, Heven, Wannen und Kleinherbede. Die evangelische Kirchengemeinde Heven wurde am 1.April 1899 aus der Herbeder Kirchengemeinde aus-gegliedert. Verwaltungsmäßig wurde Heven 1921 von Amt Herbede aus- und gleichzeitig nach Witten eingemeindet. Herbede ist seit 1975 ein Stadtteil von Witten.
Im ROLAND zu DORTMUND, Heft 10 / 1994 wurde Herbede in einem Beitrag: "Fremder Grundbesitz zwischen Dortmund und Hattingen" erwähnt. Im erwähnten Aufsatz ist auf die frühere Abhängigkeit des Oberhofes Herbede vom Stift Kaufungen Kreis Kassel hingewiesen worden. Auch wurden die Reibungen zwischen dem Lehnsinhaber v. Elverfeldt und dem in Hessen gelegenen Stift nicht verschwiegen.
Wie anderwärts sind Schwierigkeiten zwischen Patron, Pastor und Gemeinde wohl auch in Herbede aufgetreten. Ein Zeichen dafür könnte es sein, daß der Freiherr v. Elverfeldt am 2. Januar 1693 als Gerichtsherr und Patron der Herbeder Kirche den Pfarrer Messing angewiesen hat, (endlich?) das erste Kirchenbuch des Kirchspiels Herbede anzulegen. Fragen wir nicht: ,,Weshalb so spät? Wo wurden denn früher die Amtshandlungen erfaßt?" Offenbar gab es vorher wirklich kein vorgeschriebenes Kirchenbuch. Demnach waren nicht Kriege und Brände Ursache der späten Anlegung.
Reichlich wirklichkeitsfremd sollte der Pfarrer das Verzeichnis binnen 2 Monaten anlegen. Er hatte ,,alle Geburten, Sterbefälle und Trauungen seiner bisherigen Amtszeit aufzuführen. Natürlich bekam der vielleicht vordem bequeme Pastor damit einen schwierigen Auftrag zudiktiert. Wohl deshalb hat er sich die Sache einfach gemacht. Trotzdem bedeutet die am 07. Juni 1693 vorgelegte Aufstellung eine Fundgrube.
Nun will ich verraten, wie der Geistliche vorgegangen ist. Er besaß zum Einstieg vermutlich kaum noch Schriftliches. Darum verblieb er einfach bei seiner Gewohnheit, die früher den Seelenhirten geläufiger war: er machte verstärkt Hausbesuche. Nach älterer Vermutung hat Pastor Messing mit dem Besuchsdienst in der Bauerschaft Heven begonnen. Erst mit Nr. 29 (Bünger) setzt er in Herbede ein. Nr. 133 (Niederste Muttmann) betrifft dagegen Durchholz, wenn nicht schon Nr. 132 (Schafställer) dazuzurechnen ist. Wenn man von der Rolle der Familie König (Nr. 158) absieht, gehören alle Familien und Häuser (Nr. 133 bis Nr. 157) zu Durchholz. Pastor Messing hat also seine Befragung in Heven begonnen und in Durchholz beendet. Ein solches nicht leichtes, zeitraubendes ,,Erfragen" erforderte wohl viel Geduld, Geschick und aufmerksames Hinhören bei allem lückenlosen Besuch der Familien eines gesamten Kirchspiels von einem zum andern Ende entspricht allen bekannten Gepflogenheiten und ist verkehrsmäßig verständlich. Zwischen den einzelnen Bauern- und Kötterfamilien nach Nr. 29 werden auch die Familien aufgeführt, die nicht im Markenbuch stehen und zum Teil als (besitzlose) Einwohner bezeichnet werden. Dagegen könnten die erst nach 1700 im Markenbuch genannten Markenkötter 1693 noch nicht erfaßt sein, z.B. Sonnenschein, Wabeck, Bünger in der Steinkuhle und andere. Im ganzen ermöglicht das entstandene ,,Verzeichnis" die Erforschung der Herbeder Familien um mindestens zwei Generationen weiter, als dies mit dem reichlich spät, und zwar 1693 beginnenden ,,amtlichen" Kirchenbuch möglich ist.
Der abgedruckte Teil entstammt dem ersten Herbeder Kirchenbuch. Dieser Teil umfaßt dort 38 Seiten und ist fast absatzlos hintereinander, wie die folgenden Ausschnitte zeigen, aufgezeichnet. Um die Zusammenhänge zu verdeutlichen, steckte ich den Text personenbezogen und ergänzte an einigen Stellen die Zeichensetzung. Zum leichteren Auffinden der Familien, habe ich diese nummeriert und am Ende des Heftes in alphabetischer Reihenfolge in Form eines Familienregisters aufgelistet.


In der Zeit zwischen 1669 - 1692 ist insgesamt ein leichter Bevölkerungsanstieg zu beobachten.


Das Kirchspiel Herbede

 

 
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