Bürger- und Heimatverein Heven e.V.
                                    gegründet 07.02.1897
 
 
   

 

 

 

 Heven  
  Bevölkerung

 
 

Die Hevener Bevölkerung

 
 

größer

Heven im Stadtgebiet Witten / Ruhr

Jörgen Beckmann

Die durch den Bevölkerungsanstieg bedingte Flächennutzungsänderung in Heven

Heute leben in Heven auf 597 ha 12000 Personen. Inzwischen sind 31 % der Hevener Fläche bebaut und 13 % sind Verkehrswege. Es ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, daß dieses Hevener Gebiet bis vor 250 Jahren nur maximal 250 Personen ausreichenden Lebensraum bot. Die ältesten Kirchenbücher des Kirchspiels Herbede, zu dem auch Heven bis vor 100 Jahren gehörte, nennen aus dem 17ten und aus der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts in Heven 30 Familien. Anhand der darin aufgezeichneten Amtshandlungen des Pastors wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen kann man auf eine Bevölkerung von etwa 200 bis 250 Personen schließen. Da die Herbeder Orgelspenderliste aus dem Jahre 1611 nahezu dieselben Hevener Familien nennt wie die ab 1693 geführten Kirchenbücher, kann man annehmen, daß sich während des 17ten Jahrhunderts die Einwohnerzahl Hevens kaum verändert hat. Sie hat wohl auch in den Jahrhunderten davor (mit Seuchen bedingten Einschnitten) den Höchststand von 250 nie überschritten.

Mit Beginn des Bergbaus konnte das Holz als Energielieferant durch Kohle ersetzt werden. Die hiesigen Bauern konnten nun Waldflächen roden, um ihre Ackerflächen zu vergrößern. Größere Ackerflächen ließen größere Ernten erwarten. Da nun Nahrung und Energie für den Menschen lebenslimitierende Faktoren sind, konnten sich nun Menschen aus anderen Gebieten hier niederlassen, denn der Bergbau und die langsam wachsende Industrie benötigten Arbeitskräfte. Doch da zu jener Zeit die Infrastruktur wie Straßen und Wasserwege schlecht waren, war der Bevölkerungsanstieg noch begrenzt auf das Nahrungsangebot der Umgebung. Bei Mißernten traten hier dann wie nach den Befreiungskriegen (!813-1815) Hungersnöte auf. Mit der Schiffbarmachung der Ruhr konnte ab 1790 die hiesige Kohle und das aus Unna mit Pferdefuhrwerken über den „Hellweg“ nach Heven transportierte Salz ruhrabwärts bis zum Rhein und weiter gelangen. Im Hevener Salzhaus wurde das Salz bis zur Verschiffung gelagert. Der Einsatz der Dampfmaschinen ermöglichte den Tiefenbergbau, wobei man wissen muß, daß für die Förderung einer Tonne Kohle bis zu 6 Tonnen Wasser an die Oberfläche gepumpt werden mußten.

Doch erst mit dem Bau der Eisenbahn um 1850 und dem Bau besserer Wege war das Nahrungsproblem im hiesigen Raum gelöst, denn jetzt konnten aus deutschen Überschußgebieten Getreide- und Kartoffellieferungen innerhalb eines Tages hierhergeschafft werden.

Da zur Verhüttung des Eisens mehr Kohle als Eisen benötigt wird, schaffte man das Eisenerz zur Kohle. Somit wuchsen im hiesigen Raum neben dem Bergbau die Eisen- und Stahlindustrie und somit die Bevölkerung. Der erste Bevölkerungseinbruch kam in Heven mit der Schließung der Zeche Helene 1896 und nach dem ersten Weltkrieg. Mit der Aufnahme vieler Heimatvertriebener nach dem zweiten Weltkrieg aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl Hevens auf das Doppelte an. Ihren höchsten stand mit fast 14000 Einwohnern erreichte sie 1975. Jetzt stagniert sie bei etwa 12000 Einwohner.

1750 Jahr

1863 Jahr

1992 Jahr

Die Bevölkerungsdichte wird durch die Faktoren Nahrung, Energie, Erwerbsmöglichkeiten und Infrastruktur bestimmt, wobei sie von dem Minimalfaktor begrenzt wird, d.h. von dem Faktor, der in ungenügender Menge vorhanden ist.

 

Anmerken möchte ich noch, daß heute die Anwendung moderner medizinischer Erkenntnisse auf den Menschen das menschliche Leben angenehmer und länger gestaltet; doch für den eigentlichen Bevölkerungsanstieg ist die Medizin unbedeutend. Die Auswirkungen der Medizin auf das Leben und Überleben wird von den meisten Menschen in den Wohlstandsgebieten der Erde überschätzt, was fälschlicherweise durch das hohe Ansehen der Mediziner verdeutlicht wird.

Das Anwachsen der Bevölkerungszahl wird einzig und allein durch das reichliche Angebot von Nahrungsmitteln und Energieträgern bestimmt, die nicht rezentem Holz entstammen, denn wäre Holz wieder der einzige Energieträger, so müßten dann Ackerflächen in entsprechende Waldflächen umgewandelt werden, was dann wiederum eine Verringerung der Nahrungsmittel und somit ein Absinken der Bevölkerungszahl zur Folge hätte.

Berichte über Dürrekatastrophen und Heuschreckenplagen aus der fernen Sahelzone Afrikas führen uns deutlich vor Augen, daß die moderne Medizin nur den Bevölkerungseinbruch beim Ausbrechen einer Seuche vermindern bzw. vermeiden kann, doch nicht mehr. Nicht die Mediziner füllen uns den Magen, sondern die Landwirte. Lebensbegrenzend sind, wie ich schon zuvor sagte, einzig und allein Energie und Nahrung, einschließlich des Trinkwassers.

Während der Dreifelderwirtschaft, also bis etwa 1750 betrug in unseren Breiten das Verhältnis zwischen Aussaat und Ernte 1 zu 10. Durch neue Erkenntnisse wie die Anwendung der Düngung, der Schädlingsbekämpfung, des Fruchtwechsels, der Züchtung ergiebigerer Sorten, des Einsatzes moderner Agrartechniken usw. konnte das Verhältnis zwischen Aussaat und Ernte bis heute auf etwa 1 zu 80 gesteigert werden.

Bei einer Hungersnot durch eine Mißernte sterben größtenteils die Säuglinge und Kleinkinder sowie die alten Menschen, denn im Kampf um die Nahrung bleibt nur die junge fortpflanzungsfähige Generation Sieger. Da in diesem Fall die fortpflanzungsfähige Generation weitgehend überlebt, wird der Bevölkerungseinbruch in kurzer Zeit, d.h. eventuell schon mit der nächsten Ernte durch eine erhöhte Geburtenzahl ausgeglichen sein.

Unter einer Seuche leiden alle Generationen gleichermaßen. Da auch hier die fortpflanzungsfähige Generation stark betroffen ist, vollzieht sich der Bevölkerungsanstieg nach dem Grassieren einer Seuche wesentlich langsamer als nach einer Hungersnot.

 

Jahr

Einwohner Hevens

bis 1750

um 200

1815

362

1818

487

1839

892

1843

1059

1858

1561

1867

2059

1871

2565

1875

3058

1880

3623

1881

3513

1885

4099

1895

5808

1898

5806

1900

6167

1905

6237

1908

6295

1910

6371

1912

6405

1915

6405

1917

5942

1919

5961

1939

7552

1946

8400

1950

9324

1955

12144

1956

11642

1958

11706

1960

12114

1962

12424

1964

12610

1966

13208

1968

12993

1970

13505

1972

13921

1973

13733

1974

13930

1975

13989

1976

13800

1978

13608

1980

13468

1982

13174

1984

12826

1986

12518

1987

12327

1988

12398

1989

12469

1990

12442

1991

12389

1992

12341

1993

12394

1994

12243

1995

12145

1996

12177

1997

12054

1998

11947

1999

12140

2000

12260

2002

12210

 

| Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt  ©  by www.heimatverein-heven.de  | E-Mail: info2@heimatverein-heven.de |