Bürger- und Heimatverein Heven e.V.
                                    gegründet 07.02.1897
 
 
   

 

 

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 Heft
  - Inhaltsangabe

DIE NAMEN DER SPENDER UND DIE SPENDEN FÜR DIE
HERBEDER KIRCHENORGEL
AUS DEM JAHRE 1611

Quellen zur Hevener und Herbeder Geschichte

 

 
 

Die Namen der Spender und die Spenden für die Herbeder Kirchenorgel aus dem Jahre 1611

 
 

Jörgen Beckmann

Vorwort

(Hier im Internet ist nur das Vorwort zur Transcription wiedergegeben. Das ganze 49 Seiten zählende Quellen-Heft kann beim Bürger- und Heimatverein Heven e.V. für den Selbstkostenpreis von 3 Euro plus Porto erworben werden)


  

Robert Große-Stoltenberg hatte 1950 die Namen der Spender schon einmal veröffentlicht, und zwar unter dem Titel: Herbeder Familiennamen um 1611, Beiträge zur westfälischen Familienforschung. Da er die Liste aus genealogischer Sicht betrachtete, zitierte er nur die Namen der Spender in alphabetischer Reihenfolge. Die Art und Höhe der Geld- und Sachspenden sowie die Reihenfolge der Originalauflistung und die genaue Literaturangabe nannte er nicht.
Die Liste der Namen der Spender für die Herbeder Kirchenorgel ist niedergeschrieben in dem 1602 begonnenen Rechenbuch und liegt im Landeskirchenarchiv Bielefeld als Depositum der evangelischen Kirchengemeinde Herbede. Da die Liste ein weiteres Nachschlagewerk zur hiesigen Familien- und Ortsforschung darstellt, möchte ich sie hier nur dahingehend vom Original abgeändert anführen, indem ich die Spenden der Übersicht wegen in Spaltenform darstelle.
Die Liste nennt zum einen nahezu alle erwachsenen Personen des Herbeder Kirchspiels, zu dem auch Heven gehörte, und zum anderen gibt sie einen Einblick über die wirtschaftliche Lage der hiesigen Familien zu jener Zeit, wobei man annehmen darf, daß Wohlhabende mehr spendeten als Arme.
Hierbei möchte ich anmerken, daß Heven bis zu seiner Eingemeindung nach Witten im Jahre 1921 verwaltungsmäßig bis dahin stets zu Herbede gehörte. Ähnliches galt auch für die evangelische Kirchengemeinde Heven, die aufgrund der enormen Bevölkerungszunahme gegen Ende des 19. Jahrhunderts 1899 aus der Herbeder Pfarrei ausgegliedert und selbständig wurde3.
Zu den Orgeln möchte ich anführen, daß ihre Erfindung im 3. Jahrhundert vor Christi in Ägypten gemacht wurde. Gesandte des byzantinischen Kaisers Konstantin V brachten 757 eine Orgel als Geschenk an den Hof Pippins III. Im Jahre 811 bekam Karl der Große eine byzantinische Orgel geschenkt. Unter den Karolingern fand die Orgel Eingang in die Kirche. Sie diente der künstlerischen Ausgestaltung der Gottesdienste. Neue Erfindungen während des späten Mittelalters und der Neuzeit trugen zur Weiterentwicklung der Orgel bei und verbesserten ihren Klang und ihre Bedienung. Zu-nächst konnten sich nur große Kirchen eine Orgel leisten. Doch wie wir sehen, war es auch zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Kirchengemeinde Herbede, die die Hevener mit einschloß, finanziell möglich, eine Orgel für ihre Kirche bauen zu lassen. Da das Barvermögen der Kirchengemeinde dazu nicht ausreichte, wurde 1611 die Sammlung durchgeführt, wobei die Spender und deren Spende im Renthen- und Rechenbuch der evangelischen Kirchengemeinde schriftlich festgehalten wurden.
Anhand der Reihenfolge der Auflistung der Namen, die hier durch die vorgesetzte Seitenzahl und die mitangeführte laufende Nummer verdeutlicht wird, läßt sich folgern, daß die Spenden nicht durch Sammlungen auf den Höfen und Kotten mittels eines Boten, sondern durch Sammlungen vor oder nach dem Gottesdienst oder einer anderen kirchlichen Veranstaltung erfolgten.


Das Kirchspiel Herbede

Bei der Registrierung der Spender wird deutlich, daß diese mehr oder weniger in Gruppen erfolgte, in denen die Kirchenbesucher eintrafen bzw. zusammensaßen. So finden wir die Hevener erst in Position 55, 104, 156 und 160, dann fortlaufend ab 194 - 196 und 198 - 211 und 213 - 216, weiter von 229 - 247 und von 287 - 292 sowie von 296 - 298, dann vereinzelt in 300, 310, 314, 316, 317 und 319. Die Spender aus Querenburg werden in den Positionen 212, 217 - 228, 248, 311 und 315 angeführt. Der unter der Position 197 genannte Gerdt Pothoff dürfte aus Langendreer (vom Crengeldanz) stammen.
Die Spenden gliedern sich auf in Geld- und Sachspenden. Die Frauen und Töchter der Bauern sowie der Kötter gaben größtenteils Sachspenden in Form von Klanken (Bündel) Flachs. Dagegen spendeten deren Männer und Väter Geld oder Getreide. Bargeld war auf den Höfen jener Zeit wenig vorhanden. Die Bauern waren größtenteils Selbstversorger und was sonst noch benötigt wurde, wurde meist durch Tausch bezogen. Um an Bargeld zu gelangen, mußte man seine Waren damals auf dem Markt darbieten. Die Spenderliste zeigt, daß zu jener Zeit die größeren Spenden nur von Männern kamen, d.h., daß die Männer wohl über größere Ausgaben letztlich die Entscheidungen trafen. Diese Folgerung läßt aber nicht den Rückschluß zu, daß die Männer für ihre eventuell weitreichenden Handlungen kein Einverständnis ihrer Ehefrauen benötigten. Bei den Geldspenden wird deutlich, daß damals mehrere Währungen parallel im Umlauf waren. Insgesamt beliefen sich die Spenden auf die unten in der Tabelle angeführten Zahlen.

Art der Spende Symbol bzw. Maß gespendete Anzahl
       
Geldspenden Reichsthaler (R) 57
  Thaler (Königsthaler) (T)  86
  holl.Thaler (H) 6
  Gulden (G) 3 bzw. 4*
  Floren (F) 1
  Kopfstücke   17
  Albus   1578,5
  Heller   19
       
Sachspenden Flachs Klanken (Bündel) 309
  Gerste Scheffel 4
  Roggen Scheffel 13
  Holz und Bretter   für den Orgelbau (Menge ist nicht genannt)
  Verpflegung des Orgelbauers und seines Knechtes für eine gewisse Zeit

 


Die evangelische Kirche zu Herbede
(Aufnahme: April 1998, Jörgen Beckmann)

Nur noch der Kirchturm erinnert an die alte ihm einst angegliederte Holzkirche, die Ostern 1803 wegen Baufälligkeit einstürzte. Das heutige Kirchenschiff, das in den Jahren 1811-1812 erbaut wurde, steht an der gleichen Stelle der alten Holzkirche.

Die nun genannten Personen spendeten mehr als einen Reichsthaler. Daraus können wir folgern, daß zu jener Zeit der Adel und die Amtsträger zu den wohlhabendsten Personen zählten. Dann folgten die Bauern und nach ihnen die Kötter sowie die Diener, Knechte und Mägde.

von Elverfeldt Henrich Gerichtssherr zu Herbede, Schultheiß und Kirchenpatron
von Elverfeldt Johan Schirrmeister (militär.Grad)
von Vitinckhoffe genant Schell Bertha Mutter der oben genannten von Elverfeldt
Mercker Conrad Bürgermeister von Hattingen und Richter zu Herbede
Mercker Herman Pastor zu Herbede
Neuhaus Mauritz vermutlich Schreiber
Darniden bzw.Zurnedden zu Wannen (Heven) Herman Bauer
Ellinckman bzw. Elling zu Heven Rotger Bauer
Josten zu Kleinherbede (Heven) Joist Bauer
Niederste Berghaus zu Herbede Rotger Bauer
Oberste Berghaus zu Herbede Goeken Bauer
Rautert zu Herbede Johan Bauer
Schulte Saldenberg zu Herbede Dirich Bauer
Schulte Dönhoff zu Heven Johan Bauer
Seveken zu Wannen (Heven) Johan Bauer
Stemberg zu Herbede Cordt Bauer
Vorderste Rüsberg zu Herbede Johan Bauer

    

Ob die Sachspenden für die Kirche selbst verwandt wurden oder ob sie direkt an den Hattinger Orgelbauer Meister Peter Alberdts weitergeleitet bzw. vorher kapitalisiert wurden, geht aus der Liste nicht hervor. Setzt man die unten genannten Umrechnungen zugrunde, so betrug die Höhe der Geldspenden zum damaligen Orgelbau etwa 21000 Albus bzw. 175 Reichsthaler. Mit den Sachspenden dürften es auch 200 bis 240 Reichsthaler gewesen sein. Robert Große-Stoltenberg errechnete neben den Sachspenden 220 Reichsthaler. Hierbei ist anzumerken, daß der Realwert eines Reichsthalers über lange Zeit relativ stabil blieb, während der Wert der kleineren Münzen stän-dig abfiel.
Wenn man die 3 Amtspersonen aus der Familie Mercker, die aus Hattingen stammten, nicht mit berücksichtigt, dann wohnten 226 Spender in Herbede, 60 in Heven, 17 in Querenburg, 2 in Witten, Sprockhövel und Schwelm und je einer in Essen, Hattingen, Bochum, Hamme, Laer, Langendreer und Stiepel. Betrachtet man die Spender familienmäßig, so spendeten 103 Herbeder, 25 Hevener und
7 Querenburger Familien neben den vorgenannten Einzelpersonen aus Nachbarorten. Da 7 Spender zweimal spendeten, ist die Zahl der eigentlichen Spender nicht 319, sondern nur 312.
Die folgenden altansässigen Familien aus Heven und Herbede nennt die Orgelspenderliste nicht. Da unter den Fehlenden auch Bauern sind, dürfte Armut als Grund des Fehlens wohl ausscheiden. Es ist durchaus möglich, daß einige dieser Familien zu jener Zeit noch der römisch katholischen Kirche, also einer anderen Kirchengemeinde angehörten oder bedingt durch Einheirat unter einem anderen Namen angeführt sind. Weitere Gründe könnten familiärer Art sein, wie Krankheit, Pflegefall, Niederkunft usw..

 

 Nicht genannte Familien aus Heven
Wesberg
Fischenberg
Spliethoff
Weustenhoff
 
 Nicht genannte Familien aus Durchholz, Vormholz sowie Ost- und West-Herbede
Bergmann
Brandenholtz
Am Dicke
Eggemann
Klinckmann
Padberg
Sonnenschein
Scheidewald
Am Wege (Scheideweg)
Steinkuhl / Rosendahl
Dördelmann
Kampmann
Magney
Schmeinck
Feinberg
Wabeck

 

Mit den in der Spenderliste genannten Familien Beckmann zu Heven und Foersten zu Heven dürften in der Auflistung die Querenburger Bauern Beckmann und Foerste gemeint sein. Auffällig ist ebenfalls, daß alle Querenburger Bauern, deren Ländereien bis ins Hevener Gebiet reichten, Geld für die Herbeder Kirchenorgel spendeten, obgleich sie dem Ümminger Kirchspiel angehörten.
Für die Bauernfamilie Jost zu Kleinherbede wird der hier genannte Vorname "Jost" in den folgenden Generationen zum Nach- und Hofnamen. Neben den Familien Jost zu Kleinherbede, Schulte zu Kleinherbede und Rehlinghaus zu Kleinherbede nennt die Spendenliste in den Positionen 214 - 216 noch einen Henrich sowie einen verstorbenen Wilhelm zu Kleinherbede und dessen Töchter Enneken und Grete. Bezogen auf die Spendenhöhe der letztgenannten müßte man folgern, daß zu jener Zeit noch eine vierte Bauern- bzw. Kötterfamilie in Kleinherbede ansässig war. Doch weder die Türkensteuerlisten von 1542 und 1598 noch das Feuerstättenregister von 1664 und die alten Ümminger Grabsteine sowie die Prozeßakten vom Reichskammergericht nennen eine weitere Familie in Kleinherbede. Somit müssen wir sowohl Henrich als auch die Töchter des verstorbenen Wilhelm zu einer der drei vorgenannten Kleinherbeder Bauernfamilien zuordnen. Da die drei direkt auf Johan Rehlinghaus folgen, dürften sie wohl seiner Familie angehören.
Die hohen Kirchenämter bekleideten 1611 neben dem Pastor Herman Mercker der Freiherr Henrich von Elverveldt als Kirchenpatron und die seit 1609 gewählten drei Kirchmeister, und zwar die Bauern Johann Lennemann zu Rüßberg aus Herbede, Johann Mittelste Berghaus aus Herbede und Jürgen Mering aus Heven.
Die Familie Mercker war zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine wohlhabende und angesehene Hattinger Familie. Conrad Mercker war Bürgermeister von Hattingen und Richter in Herbede und Witten. Er hatte Anna Wischmann geheiratet und mit ihr die drei Söhne Bertram, Herman und Johannes gezeugt.
Herman Mercker wurde am 23. Januar 1583 in Hattingen geboren. Von 1605 bis 1613 war er Pastor in Herbede und anschließend bis zu seinem Tod am 19. Januar 1630 Pastor in seinem Heimatort Hattingen. Am 6. September 1606 heiratete er Hilla Khuweidt, die ihm vier Söhne gebar.

 

Münzen zur damaligen Zeit

1607  in der Grafschaft Mark 9 Königsthaler = 10 Reichsthaler
1608 1 Königthaler = 45 Schillinge in Dortmund
1608 1 Reichsthaler = 42 Schillinge in Dortmund
  1 Reichsthaler = 60 Stüber
1560 1 Kölner Goldgulden (Goldmünze) = 52 Albus
1588 1 Kölner Goldgulden = 72 Albus
1602 1 Goldgulden = 42 Schillinge in Dortmund
1608 1 Goldgulden = 52 Schillinge in Dortmund
  1 Gulden (Silbermünze) = 10 bis 12 Stüber
  1 Kopfstück = 10 bis 12 Stüber
  1 Schilling bzw. Solidus = 1 Stüber
1612 1 Stüber = 2 Albus
  1 Albus = 12 Heller = 2,5 Pfennige
   
   
 

Maße zur damaligen Zeit

  1 Klanke = 1/8 Pfund = 58,46g (Flachsgewicht)
  1 Scheffel = 46,717 Liter (Herbeder und Hevener Maß)

  

 
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